Heimatverein Altes Amt Eicklingen

Sie sind hier:   Startseite > Veranstaltungen 21/22 > Auf dem Jakobsweg
Seitenanfang
Seite
Menü

Auf dem Jakobsweg

Statt „Hallo“ sagt man auf dem Pilgerweg „Ultreia“

Am 17.03.2022 hatte der Heimatverein zu einem Vortragsabend über die Jakobsweg-Pilgerwanderung ins Gasthaus Schumacher eingeladen. Der Vorsitzende Erhard Köneke freute sich sehr, dass, nachdem coronabedingt seit einer gefühlten Ewigkeit keine Vorträge stattfinden konnten, die Pilger Evi und Wilfried Schumacher aus Nienhagen viele interessierte Mitglieder des Heimatvereins sowie einige Gäste begrüßen zu können. Nach einer Gedenkminute für die vielen unschuldigen Opfer des Krieges in der Ukraine und dem Vorlesen eines plattdeutschen Gedichtes übergab er dem gebürtigen Eicklinger Wilfried Schumacher das Rednerpult.

Nach einer kurzen Einleitung zur Geschichte des Jakobswegs erzählte Wilfried, dass er und seine Frau Evi die selbst organisierte 45-tägige Pilgerwanderung auf dem „Camino Francés“, dem klassischen Jakobsweg, in zwei Etappen (im Herbst 2017 und Frühjahr 2018) absolviert haben. Der Streckenverlauf von 799 Kilometern durch den Norden Spaniens über die Pyrenäen, Pamplona, dem Weinanbaugebiet La Rioja, Burgos, dann durch die karge spanische Hochebene Meseta weiter nach Leon und schließlich „Ultreia“ (übersetzt: vorwärts, immer weiter) nach Santiago de Compostela. „Ultreia“ ist ein unter Pilgern üblicher Gruß auf ihrer Jakobsweg-Wanderung. Ebenso wie „Buen Camino“ (übersetzt: Guten Weg).

Nach eingehender Reisevorbereitung, also Lesen von Reiseführern und Büchern, Recherche und Beschaffung der richtigen Ausrüstung und natürlich auch mit absolviertem Wander-Training, begaben sich die beiden auf dieses große, wochenlange Abenteuer.

Der Start erfolgte nach Anreise mit der Bahn (zuerst im deutschen ICE mit ca. 250 km/h und dann im französischen TGV mit ca. 350 km/h) mit der Registrierung in St.-Jean-Pied-de-Port im Süden Frankreichs. Hier bekamen ihre Pilgerpässe den 1. Stempel. Der Pilgerpass dient einerseits zur Berechtigung in Pilgerherbergen zu übernachten und muss auf der mit unzähligen Muscheln gut ausgeschilderten Wegstrecke in den Herbergen oder Kirchen zu sammelnden Stempeln am Ziel in Santiago de Compostela vorgelegt werden. Nur ein lückenlos ausgestellter Pilgerausweis berechtigt zur Ausstellung und zum Erhalt der begehrten Pilgerurkunde „La Compostela“.

Auf der Pilgerwanderung haben sie viele Menschen aller Kontinente kennengelernt, die immer friedvoll und freundschaftlich miteinander umgegangen sind. Spanische Sprachkenntnisse waren nicht vorhanden, sind aber auch nicht unbedingt erforderlich. Die Verständigung klappte mit etwas Englisch sowie mittels „Händen und Füßen“ immer bestens. Zu jedem der vielen Fotos, die auf der Leinwand zu sehen waren, wussten Evi und Wilfried eine interessante Geschichte zu erzählen. Wirklich tolle Bilder von Landschaften, der Weite der Meseta, aber auch von mittelalterlichen Klöstern und Kapellen. Auf einem der Fotos war ein von einer Herberge angebotenes typisches Pilgeressen, bestehend aus spanischen Köstlichkeiten und einem Glas Rotwein, zu sehen. Spätestens als Wilfried sagte, dass ein solches Menü nur ca.10 Euro kostete, war bei jedem der aufmerksamen Zuhörer der Wunsch geweckt, sich auch auf den Jakobsweg zu begeben.

Großes Glück hatten die beiden auf ihrer Pilgerwanderung mit dem Wetter, denn Regen gab fast überhaupt nicht. Gegen die Sonnenstrahlen schützten extra angeschaffte Pilgerhüte mit breiter Krempe.

In Santiago de Compostela angekommen war der Besuch der Pilgermesse in der Kathedrale ein absoluter Höhepunkt. Und hier war ihnen das Glück schon wieder hold: Sie konnten das nur freitags stattfindende Schwenken des Weihrauchkessels „Botafumeiro“ bestaunen. Der zentnerschwere Kessel hängt in der Kathedrale und wird von mehreren Männern mit langen Seilen über ein Rollensystem in Bewegung gebracht und schwingt dann in den Seitenschiffen der Kathedrale äußerst imposant hin und her.

Das erste Ziel war erreicht. Nach Prüfung aller Stempel in den Pilgerausweisen erhielten Evi und Wilfried voller Stolz die Pilgerurkunde „Compostela“. Doch die beiden hatten sich noch ein weiteres Ziel selbst auferlegt: Von Santiago de Compostela ging es noch „Ultreia“ bis ans „Ende der Welt“, dem Kap Finisterre.

Die schlimmen Blasen an Evis Füßen, die während der Wanderung zu einer 3-tätigen Pause geführt hatten, waren längst vergessen. Voller Euphorie und überglücklich, mit im Atlantik abkühlen Füßen, ging es schließlich nach 45 Wandertagen mit insgesamt 952 Kilometern in den Beinen wieder zurück ins Celler Land, wo sie von Familie und Freunden herzlich empfangen wurden.

Uns bleibt nur zu sagen: Größter Respekt für diese herausragende Leistung und vielen Dank für den tollen Vortrag.

D.S.

« vorige Seite Seitenanfang nächste Seite »
Seitenanfang
Seite
Menü
Seitenanfang
Seite
Menü

Powered by CMSimple | Template: ge-webdesign.de | Login