Otto Haesler

Klare Linien, kräftige Farben, konsequent sozial: Haesler baute revolutionär

Wer im Landkreis Celle wohnt, hat von Haesler gehört, aber wohl meist keine näheren Kenntnisse. Teilnehmer des jüngsten Vortragsabends wissen jetzt mehr: Rudolf Becker, Geschäftsführer der Otto-Haesler-Stiftung, berichtete ausführlich von einem Architekten, der wohl alle denkbaren Höhen und Tiefen durchlebt hat. Otto Haesler, 1880 in München zur Welt gekommen und 1962 in Wilhelmshorst bei Potsdam gestorben, hat die Jahre 1906 bis 1934 in Celle zugebracht. Hier baute er zunächst noch konventionell. Wäre es dabei geblieben, würde heute niemand mehr von diesem Architekten aus der Provinz sprechen. Rudolf Becker machte deutlich, warum und wie sich Otto Haesler Anfang der 20-er Jahre änderte und eine internationale Berühmtheit geworden ist. Das hängt mit Begriffen wie „galoppierende Inflation, wertloses Geld, grassierende Wohnungsnot, prekäre Lebensumstände“ zusammen. Gefordert wurde, so Becker, „Wohnraum für alle, und für jeden Bewohner ein eigenes Bett.“ Haesler gelang das in Celle, dafür stehen die Siedlungen Italienischer Garten (1924), Georgsgarten (1925/26) Blumläger Feld (1930/31) oder Einzelbauten wie die Altstädter Schule („Glasschule“) und das Rektorenhaus (1926/28). In Haeslers Bauten stecken Stahlskelette und Dämmstoffe, er arbeitete mit viel Glas und kontrastierenden Farben. Die Innenausstattungen boten ausgetüftelte Details wie Waschküchen in den Blocks oder, von Haesler selbst entworfen, moderne Schulbänke. Die Neuerungen waren auch gewöhnungsbedürftig, was im Volksmund zu charmanten Umschreibungen führte. Die Altstädter Schule hieß „Glasschule“, das Blumläger Feld „Klein Marokko“. Als Frau lebte man in der Rothenberg-Siedlung (Kassel) im „Tanten-Aquarium“. Also Anekdotisches neben viel Fachwissen, das Becker zu Schumacher mitbrachte. 1933 war schlagartig Schluss. Haesler fiel „vom Olymp ins Fegefeuer und in die Vergessenheit.“ Das Neue Bauen passte nicht zur rückwärtsgewandten Nazidoktrin. Öffentliche Aufträge gab es nicht mehr, 20 Mitarbeiter mussten entlassen werden. Otto Haesler zog damals nach Eutin, nach dem Krieg in die DDR, die ihn zum Professor ernannte. Wer sich weiter informieren möchte, dem seien zwei Adressen im Netzt empfohlen: www.otto-haesler-stiftung.de und www.otto-haesler-initiative.de

sff

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