Heidmann:
Schwachhausen ist seit 1992 „kuhfrei“

Die alten Sachsen nannten den Bereich um Eicklingen herum „Flutwide“. Die heutigen Niedersachsen sprechen von „Flotwedel“. Am wenigsten, das ist ein Fazit des Vortrages von Hans-Heinrich Heidmann (Offensen) bei Schumacher, hat sich dieser Begriff geändert. Sonst aber jede Menge. In der kultivierten Landschaft gibt es keinen über-„fluteten Wald“ mehr und keinen Okerzufluss bei Bockelskamp. Der Gau ist heute (grob gesehen) eine Samtgemeinde. Das kurz vorweg zu den vergangenen 1000 Jahren. Heidmann konzentrierte sich auf die zurückliegenden 160 Jahre sowie die beiden Ortschaften Offensen und Schwachhausen. Es fahren keine Flöße mehr auf der Aller vorbei. Die adlige Herrschaft hat längst abgedankt. Hand- und Spanndienste sind entfallen, die Bauern Eigentümer der Ländereien geworden, auf denen sie schon über viele Generationen wirtschafteten. Zwischen 1850 und 1861 sorgten Agrarreformen für Ordnung und Überschaubarkeit in der Landschaft, die Hans-Heinrich Heidmann sehr instruktiv mittels Karten der Kurhannoverschen Landesaufnahme und Satellitenaufnahmen aus dem Internet darstellte. Eine Furt über die Aller ist einer Brücke gewichen, auf den Höfen hielten Maschinen Einzug. Einige weitere Stichworte seines fundierten Vortrages: Straßenbau, Schutz gegen Allerhochwasser, Düngung, Stauwiesenverband, die politischen Gemeinden (heute Teile der Gemeinde Wienhausen), Infrastruktur, gemeinschaftliche Einrichtungen. Und nicht zuletzt „die landwirtschaftliche Blütezeit um 1900“. Da ging es, so Heidmann, beiden Dörfern so richtig gut. Nach Weltkriegen, veränderten Bedingungen und Modernisierungen ist das freilich nur noch Geschichte. Einige Höfe wurden zwar sehr groß, die meisten Bauern aber gaben auf. Das letzte Rindvieh verließ 1992 Schwachhausen: Der ehemaligen Adelssitz sei seither „kuhfrei“. Mehrere Gemeinschaftseinrichtungen wurden durch den Wandel überflüssig. Lautete Heidmanns Thema „Zwei Bauerndörfer im Flotwedel verändern ihr Gesicht“, so lässt sich nach seinem Vortrag sagen: Offensen und Schwachhausen haben immer noch ein sympathisches Gesicht. Und verfügen wieder über eine sehr lebendige Einrichtung – das 2010 fertiggestellte Dorfgemeinschaftshaus des Heimatvereins.

sff

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