Rückblick in die DDR

Die Wende konnte sie lange nicht verstehen

Manuela Keilholz hat ihr Leben aufgeschrieben: „Warum war ich so blind? – Rückblick in eine Diktatur und Neuorientierung in die Freiheit“ lautet der Titel ihres 2015 veröffentlichten autobiografischen Buchs, aus dem sie am 19. Januar bei Schumacher vorlas.

An ihrer Seite saß, als Assistent und Co-Referent, ihr Lebenspartner Gerd Keil, der 2015 an gleicher Stelle über seine schlimmen Erlebnisse im DDR-Knast berichtet hat. Das Thema DDR beschäftigt den Heimatverein seit 2012. Damals ging Rainer Bischoff „Auf Spurensuche gegen das Vergessen“ und las aus Büchern von DDR-Flüchtlingen vor. Und die jüngste Jahresfahrt führte ins Zentrum des ehemaligen Unrechtsstaats: 2016 wurden die Strafanstalt Hohenschönhausen und das Stasi-Museum besucht. Beides in Ost-Berlin, und dort lebten zu DDR-Zeiten auch Gerd Keil und Manuela Keilholz, ohne sich zu kennen. Jahrzehnte später trafen sich beide – der Ex-Häftling und die Ex-Sachbearbeiterin der DDR-Kripo – in Wienhausen und zogen zusammen. Dass Manuela Keilholz ihren, man muss sagen: Horror, überwunden hat, verdankt sie eigenen Worten zufolge dem Buchautor Keil sowie ihrem Psychotherapeuten.

Den Niedergang der DDR 1989 – in der Wende-Nacht wurde just ihr einziges Kind Sandra geboren! – hat sie lange überhaupt nicht realisieren können. Die Wende passte nicht in die Vorstellungswelt, die ihr im autoritären Familien- und Staatssystem von Kindheit an eingeimpft worden war. Sehr freimütig berichtete die 1960 geborene Autorin von schwierigen Familienverhältnissen, einer bedrückenden Mutter, die eigentlich nicht Mutter war, vom strengen, nach der Wende als „IM“ enttarnten Vater, vom Missbrauch durch ihre Stiefbrüder. Vom Kinderwochenheim, jungen Pionieren, von der FDJ, von Drill und paramilitärischer Ausbildung.

Nach der Wiedervereinigung wurde die angepasste Manuela Keilholz noch stiller, in sich gekehrter. Ihre Depression musste schließlich psychotherapeutisch behandelt werden. Ihre Offenheit und das Schreiben über die persönlichen Nöte eines systemkonform und linientreu erzogenen Menschen scheint offenbar ein richtiger Weg, sich von schwerem Ballast zu befreien.

Beiden Berlinern gefällt es übrigens im Flotwedel sehr gut. Beide ließen sich in Wienhausen taufen.

Das Buch ist Buchhandel erhältlich, Näheres steht auch auf der Homepage www.marina-keil.de.

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