Jahresfahrt nach Berlin

Ausgerechnet Mielke meckerte
über Haftbedingungen

Die Jahresfahrt des Heimatvereins nach Berlin war, so urteilen Teilnehmer, schön, informativ, aber auch anstrengend. Der vollbesetzte Bus startete schon um 5.30 Uhr, und kehrte gegen 20.30 Uhr zurück. Alle Teilnehmer sind beeindruckt von den beiden Zielen in der Bundeshauptstadt, dem DDR-Gefängnis (und heutigen Gedenkstätte) Hohenschönhausen sowie der Stasi-Zentrale (heute Museum). Man staunte über den Gefangenentransporter „Barkas“. Dem, wenn man so will, Bully des Ostens war äußerlich nicht anzusehen, dass mit ihm eingepferchte Gefangene transportiert wurden. In einer Gefangenenzelle wurden besonders hartnäckige DDR-Gegner längere Zeit Röntgenstrahlen ausgesetzt. Sie starben später an Krebs. Andere Zellen wurden geflutet, um die Insassen gesundheitlich zu schädigen. Über diese wenigen Stichworte hinaus können die Fahrtteilnehmer jetzt viel erzählen. Zum Beispiel auch, dass der berühmt-berüchtigte Minister für Staatssicherheit der DDR, Erich Mielke (1907-2000), nach der so genannten Wende selbst einsitzen musste – und sich prompt über die Bedingungen in „seiner“ Haftanstalt beschwerte. Mielkes original erhaltene Diensträume wurden ebenfalls besichtigt. Sie waren das Zentrum des flächendeckenden Kontroll-, Überwachungs- und Unterdrückungssystems in der DDR. Zu sehen sind ferner Geheimkameras – geknipst wurde z.B. aus einen Nistkasten heraus oder durch einen Knopf hindurch – viele Plakate, Waffen, Handfesseln usw. Beängstigend. Kann man 90000 abgefangene Briefe (90000 täglich!) lesen? Nein: Die Briefe aus dem Westen wurden auf Devisen durchleuchtet und gefilzt. Die DDR war bekanntlich klamm. So sehr, dass sie Gefangene durch die Bundesrepublik freikaufen ließ und damit mehrere Millionen DM einnahm. Die Informationen liefern vor Ort Museumsführer, die als ehemals Betroffene authentisch berichten können. Als „Erinnerung und Mahnung zugleich“ bezeichnet der Vorsitzende des Heimatvereins, Erhard Köneke, die Fahrt. Vergessen wird die DDR-Ära gewiss nicht: Köneke berichtete von auffallend vielen neugierigen Jugendlichen im Stasi-Museum.

sff

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am 17. Dezember

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