Der Kühlschrank der Erde

 Bohrkerne aus der Antarktis
 sind wie ein Tagebuch

Bitte festhalten: Der afrikanische Kontinent kommt uns immer näher, Afrika und Europa werden zusammenstoßen und sich vereinigen. Und nun wieder ausatmen: Die Vereinigung wird noch ein paar Jährchen auf sich warten lassen. Erdgeschichte lässt sich nur in Jahrenzahlen mit endlos vielen Nullen darstellen, und das machte der Antarktis-Forscher Dr. Johann Klages mit seinem Vortrag „Der weiße Kontinent – Klimakühlschrank der Erde“. Dr. Klages arbeitet beim AWI (Alfred-Wegner-Institut, Hauptsitz Bremerhaven). Er wird in Kürze mit der „Polarstern“ erneut in den Kühlschrank eintauchen.

Das AWI-Forschungsschiff hat dann 100 Personen an Bord, die im Schichtbetrieb arbeiten. Teamwork rund um die Uhr, denn jeder Tag an Bord kostet 70000 Euro. Wozu macht man das? Der Mensch muss sich klarmachen, so Dr. Klages, was er tut und welche Wirkung das hat. Die Stichworte dazu lauten: Verbrennen fossiler Stoffe, Erderwärmung, Anstieg des Meeresspiegels um (geschätzt) bis zu fünf Meter! Wobei heute niemand weiß, nach wieviel Nullen das so sein könnte. Wie war das Millionen Jahre zuvor? Was bedeutet globale Erwärmung? Der Wissenschaftler: „Wir wollen die Klimasysteme der Erde verstehen lernen, wollen wissen, in welcher Welt wir morgen leben werden.“ Dr. Klages präsentierte anschaulich verschiedene Erkenntnisse. Er berichtete auch vom Wettlauf zwischen Amundsen und Scott zum Südpol 1911/1912, von den seither eingerichteten Forschungsstationen, vom internationalen Antarktisvertrag von 1949. Von dicken Gletschern sowie Bohrungen in Eis und Meeressedimenten. Forscher können in den Bohrkernen wie in einem „Tagebuch“ – naja, in Jahrhunderten mit vielen Nullen natürlich – lesen.

Der Forscher aus dem Flotwedel (Heimat Osterloh, Abitur in Celle) erzählte vom Tagesablauf an Bord und auf Gletschern. Von Pinguinen, die sich, kurzsichtig, auch mal aufs Schiff verirren. Er zeigte im vollbesetzten Saal bei Schumacher sagenhaft schöne Bilder. Trotzdem war’s auch etwas mulmig, die Eisfläche nimmt ja stetig ab! Neuerdings tauen aufs Meer geschobene („aufschwimmende“) Gletscher nicht nur von oben, sondern auch von unten. Das Wasser ist mit bis zu zwei Grad zu warm geworden. Bricht demnächst, wie schon mal vor Jahrtausenden, ein auf dem Wasser liegendes großes Eisschild zusammen? Wegen dieser Frage macht sich die „Polarstern“ wieder auf den Weg.

Zurück zur Annäherung Afrikas an Europa: Die Erdkugel verändert sich seit undenklichen Zeiten (viele Nullen!). Sie war mal kalt, und dann wieder sehr warm mit allerlei Sauriern. Der südliche Urkontinent „Gondwana“ löste sich in die drei Erdteile Südamerika, Afrika und Antarktika auf. Sie befinden sich weiter auf Wanderschaft. Dadurch entfernt sich Afrika immer weiter weg von der Antarktis – die Pinguine dürfen aufatmen…

[sff]

Weihnachtsmarkt in Eicklingen
am 17. Dezember

Vortrag im November:
Euthanasie im Celler Land

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