Heimatverein Altes Amt Eicklingen

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Ein Grabstein – zwei Friedhofsbänke

Die Restaurierung des Amtsstubenhauses regt zur Frage an: Wer war hier Amtmann und Amtsschreiber? Die bislang ermittelten Namen zeigen, der eine oder andere Beamte hatte auf dem Amtshof seine ultimative Lebensstellung gefunden: Ein halbes Dutzend von ihnen ist hier gestorben und wurde sicherlich in Wienhausen – Eicklingen hatte bis 1952 keinen eigenen Friedhof – begraben. Doch in Wienhausen finden sich keine in Frage kommenden alten Grabmale. Schade, wohl alle längst abgeräumt. Nahe der Kapelle und Gedenktafeln der beiden Weltkriege kann man sich auf eine Bank setzen und über alte Zeiten grübeln – aber halt! Der Friedhofsbesucher sitzt auf einem halbierten Grabstein! Die andere Hälfte, ebenfalls 209 mal 45 Zentimeter groß und auf Sockeln, steht in Sichtweite als zweite Bank. Ein Grabstein zu Sitzmöbel halbiert, wie pietätlos ist denn das? Wann wurde das gemacht?
   
Immerhin lässt sich die zusammengesetzte sechszeilige Schrift problemlos lesen. Die Textverluste auf den Sandsteinplatten sind minimal: Hie[r] ruhet der entseelte K[ö]rper des Königlich Hannoversch[e]n Majors Friedri[c]h Schele geb: den 16ten[ ]October 1769 gestorben den 19[te]n October 1840. Über Schele wusste Wilhelm Köneke („Chronik“ Eicklingen, 1991, S. 151 und 268-270) etwas. Allerdings kannte er weder Grabmal noch Lebensdaten. Laut Köneke wohnte Schele im Haus Nummer 28, das nicht mehr existiert (an seiner Stelle steht am Mühlenweg 78 ein jüngeres Bauernhaus). Das alte Haus war, so Köneke weiter, „das Haus des Amtsschreibers, auch als Scheelsche Besitzung bezeichnet. Scheele war s.Zt. Amtsschreiber.“ Etwas ungewöhnlich, dass der pensionierte Major noch beim Alten Amt angestellt gewesen sein soll. Die Amtsschreiber der Amtsvogtei wohnten zudem in der Regel in Wienhausen.

Friedrich Schele war wohlhabend und mildtätig. Am 1.9.1840 – nur sechs Wochen vor seinem Tod – hatte er „ein Testament errichtet, in welchem er 500 Thaler Gold ‚zu milden Zwecken‘“ stiftete. Damit sollten von besonderen Unglücksfällen Betroffene unterstützt werden. Zudem stellte Schele am Ortsausgang in Richtung Wienhausen ein 6250 Quadratmeter großes Grundstück als „Armenkamp“ zur Verfügung.

Über Scheles Familie und woher er stammte ist nichts bekannt. Es gibt nur wenige spärliche Spuren. In der Geschichte der königlich Deutschen Legion (von North Ludlow Beamis, 1837) steht, dass Friedrich Schele 1806 Lieutenant beim 8. Linien-Bataillon war und 1811 als Major in die „Pension zu Gr. Eicklingen“ entlassen wurde. Der Major hat also noch 29 Jahre in Eicklingen gelebt. Das Hof- und Staatshandbuch für das Königreich Hannover vermerkt „Friedrich Schele zu Großen Eicklingen“ mehrfach (z. B. 1837, Seite 175) unter „Pensionair=Officiere“. Im Neuen Nekrolog der Deutschen (Weimar 1842, Seite 1607) wird sein Tod kurz angezeigt: „D. 19.[10.1840] zu Groß-Eicklingen bei Celle der k. hannoversche Major Fried. Schele – 70 J. a.“.

(sff)

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